Orthoptistin, Orthoptist

Zur Orthoptistenschule

Berufsbild

Orthoptistinnen sind in der Vorsorge (Prävention), Untersuchung (Diagnose) und bei der Behandlung (Therapie) von Störungen des ein- und beidäugigen Sehens tätig. Dazu gehören vor allem Schielen, Sehschwächen und Augenzittern. Sie üben ihre Tätigkeit in Kooperation mit Augenärzten aus. Ihr Arbeitsfeld liegt in Augenarztpraxen, Augenkliniken, Rehabilitations- und Sehbehinderteneinrichtungen und Frühförderzentren. Weitere Aufgaben können Lehre (Lehrorthoptistinnen an den Berufsfachschulen für Orthoptik) und Forschung sein.

Ausbildung

Die Ausbildung dauert drei Jahre in Vollzeit. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht sowie einer praktischen Ausbildung. Die Ausbildung schließt mit einer schriftlichen, einer mündlichen und einer praktischen Prüfung ab. Der theoretische und praktische Unterricht umfasst mindestens 1700 Stunden, in der praktischen Ausbildung müssen mindestens 2800 Stunden absolviert werden. Eine Verkürzung der Ausbildung ist nicht möglich.

Theoretischer und praktischer Unterricht

Sechs Lehrorthoptistinnen erteilen den theoretischen Unterricht. Sie werden dabei unterstützt von den Oberärzten der Sektion für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie sowie weiteren Dozenten des Universitätsklinikums Heidelberg.
Der theoretische und praktische Unterricht umfasst folgende Fächer:

  • Allgemeine Anatomie und Physiologie
  • Spezielle Anatomie und Physiologie
  • Allgemeine Krankheitslehre, Kinderheilkunde
  • Arzneimittel
  • Allgemeine Augenheilkunde
  • Neuroophthalmologie
  • Orthoptik und Pleoptik
  • Augenbewegungsstörungen
  • Physik, Optik, Brillenlehre
  • Hygiene
  • Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde

Die Orthoptistenschule ist eng an die Sektion für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie der Augenklinik des Universitätsklinikums Heidelberg angebunden. Dies garantiert, dass die praktische Ausbildung vom ersten Semester an kontinuierlich und auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgt.

Die Lehrorthoptistinnen vermitteln nicht nur das theoretische Wissen, sie leiten auch die praktische Ausbildung am Patienten an. Diese praktische Ausbildung umfasst unter anderem

  • Anamnese- und Befunderhebung und Dokumentation
  • Therapieplanung und -durchführung
  • Gesprächsführung und Beratung

Ausbildungsbeginn, Voraussetzungen, Bewerbung

Die Heidelberger Orthoptistenschule wechselt sich mit dem Universitätsklinikum Freiburg ab: Zwei Jahre in Folge beginnt ein Kurs bei uns in Heidelberg, im dritten Jahr dann an der Berufsfachschule für Orthoptik in Freiburg im Breisgau. Ausbildungsbeginn ist am 1. Oktober. In Heidelberg beginnen die nächsten Kurse in den Jahren 2017, 2019 und 2020. Wir nehmen pro Kurs jeweils sechs Schülerinnen und Schüler auf.

Mindestvoraussetzung für die Ausbildung sind

  • Realschulabschluss oder eine gleichwertige Ausbildung oder eine andere abgeschlossene zehnjährige Schulbildung, die den Hauptschulabschluss erweitert,
  • die gesundheitliche Eignung und Nachweis der Immunität gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Pertussis

Bewerbungsunterlagen

Bewerbungen können Sie jederzeit mit folgenden Unterlagen als Original oder als beglaubigte Kopie bei uns einreichen:

  • Bewerbungsschreiben
  • Lebenslauf mit Foto
  • Kopie der Geburtsurkunde
  • aktuelles amtliches Führungszeugnis
  • Abschlusszeugnis der 10. Klasse, ggf. weitere Halbjahres- oder Abschlusszeugnisse (Abitur, vorausgegangene Ausbildungen etc.)
  • Wenn Sie einen Schulabschluss in einem anderen Land erworben haben, benötigen wir eine Bestätigung des Oberschulamtes, dass Ihr Schulabschluss mindestens dem deutschen Realschulabschluss entspricht.
  • Zeugnisse und Bescheinigungen über bisherige Tätigkeiten und Praktika
  • Ärztliches Gesundheitszeugnis
  • Aufnahmeantrag
  • Adressierter und frankierter Rückumschlag, damit wir Ihnen Ihre Bewerbungsunterlagen zurücksenden können.

Wir haben pro Jahr nur Plätze für sechs Schülerinnen und Schüler. Nur, wenn Ihre Bewerbungsunterlagen vollständig sind, können Sie ins Auswahlverfahren gelangen.
Wir legen besonderen Wert auf gute Noten in Mathematik, Physik, Biologie, Deutsch und Englisch. Haben Sie sich über den Beruf der Orthoptistin bereits näher informiert, beispielsweise bei einer Hospitation oder einem Praktikum in einer orthoptischen Einrichtung oder einer Augenarztpraxis mit Orthoptistin? Dann legen Sie Ihrer Bewerbung bitte eine Bescheinigung über dieses Praktikum bei.

Kontakt

Akademie für Gesundheitsberufe Heidelberg
Orthoptistenschule am Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg


Telefon 06221 56-7236                                                                                 Telefax 06221 56-5591
E-Mail: afg.orthoptisten@med.uni-heidelberg.de

Vereinbarungen zur Ausbildung

Mit Beginn der Ausbildung haben Sie einen Schülerstatus. In der theoretischen und praktischen Ausbildung besteht Anwesenheitspflicht. Die Orthoptistenschule muss ihre regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an der Ausbildung bescheinigen, damit Sie zur staatlichen Abschlussprüfung zugelassen werden können.

  • Sie haben mindestens sechs Wochen Urlaub pro Jahr. Dieser orientiert sich weitgehend an den baden-württembergischen Schulferien.
  • Die Ausbildung ist für Sie kostenfrei. Allerdings müssen Sie krankenversichert sein und selbst für Ihren persönlichen Lebensunterhalt aufkommen. Im dritten Ausbildungsjahr werden Sie ein vierwöchiges Praktikum an einer anderen Ausbildungsstätte für Orthoptistinnen in Deutschland oder Europa absolvieren – dieses werden Sie ebenfalls selbst finanzieren müssen.
  • Ob Sie eine Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) oder nach dem Arbeitsförderungsgesetz (AfG) für Umschüler erhalten können, erfahren Sie bei den Ämtern für Ausbildungsförderung.
  • In den Personalwohnheimen des Klinikums stehen in begrenzter Anzahl Zimmer zur Verfügung. Die Mietpreise liegen zwischen 117 und 200 Euro im Monat.

Perspektiven

Orthoptistinnen arbeiten in Augenarztpraxen, Augenkliniken, Rehabilitations- und Sehbehinderteneinrichtungen und Frühförderzentren. Weitere Aufgaben können Lehre (Lehrorthoptistinnen an den Berufsfachschulen für Orthoptik) und Forschung sein.

Schüler, die nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung noch zur Erlangung des Bachelor of Science (Interprofessionelle Gesundheitsversorgung ) weiter studieren, können sich für eine Teilzeitbeschäftigung als klinische Orthoptistin in der Sektion für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie der Universitätsaugenklinik bewerben.

Berufliche Weiterbildung für Orthoptistinnen

Nach Abschluss der Ausbildung können sich Orthoptistinnen auf verschiedenen Gebieten weiterbilden und weitere Abschlüsse erlangen:

  • Spezialistin für vergrößernde Sehhilfen und LowVision Beratung
  • Spezialistin für Diagnostik und Früherkennung visuell bedingter Entwicklungs- und Lernauffälligkeiten
  • Visuelle Rehabilitation bei erworbenen Hirnläsionen

Nach oben